Im Dialog für den Kreislauf

Christian Abl über die Partnerschaft zwischen Reclay und Coca-Cola HBC

Der Geschäftsführer von Reclay gibt im Gespräch tiefe Einblicke in die langjährige Partnerschaft mit Coca-Cola HBC Österreich und die Vision einer echten Kreislaufwirtschaft. Er verdeutlicht, warum das Recycling für Konsument:innen bereits im Supermarkt beginnt und weshalb Nachhaltigkeit erst durch wirtschaftlichen Erfolg zum dauerhaften Standard wird.


Christian Abl Christian Abl

Herr Abl, Sie sind Geschäftsführer von Reclay in Österreich. Könnten Sie kurz erläutern, welche Rolle Ihr Unternehmen im österreichischen Kreislaufwirtschaftssystem einnimmt und in welcher Verbindung Sie zu Coca-Cola HBC stehen?

Christian Abl: Reclay ist ein sogenanntes Sammel- und Verwertungssystem. 


Im Rahmen der gesetzlich verankerten Herstellerverantwortung stellen wir sicher, dass die Verpackungen unserer Kund:innen – wie eben Coca-Cola HBC – flächendeckend gesammelt, sortiert und fachgerecht recycelt werden. Wir sind dafür verantwortlich, dass die gesetzlich vorgegebenen Recyclingziele erreicht und an die Behörden sowie die EU-Kommission gemeldet werden. Coca-Cola HBC Österreich ist für uns ein großer und wichtiger Partner, mit dem wir bereits seit vielen Jahren intensiv zusammenarbeiten.


Oft wird eine solche Partnerschaft rein auf die Zahlung von Lizenzentgelten reduziert. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Coca-Cola HBC darüber hinaus operativ aus?

In Österreich betreiben wir ein sehr operatives System. Das bedeutet, wir sind direkt für den Material- und Massenstrom verantwortlich. Ein zentraler Aspekt unserer Partnerschaft ist die „Closed-Loop-Zusammenarbeit“. Lange bevor es das Pfandsystem gab, haben wir PET-Flaschen aus dem Materialstrom an Verwerter zurückgeliefert, die daraus wieder neue Flaschen für Coca-Cola hergestellt haben. Auch in Zukunft bleibt diese Zusammenarbeit auf Materialbasis essenziell. Dabei geht es verstärkt um Sekundärverpackungen wie Trays, Folien, Labels oder Verschlusskappen. Unser gemeinsames Ziel ist es, Material wirklich dorthin zurückzubringen, wo es ursprünglich herkommt.


Seit 2025 gibt es in Österreich ein Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen. Wie verändert das Ihre Arbeit und die Kooperation mit Getränkeherstellern?

Das Pfandsystem ist ein Meilenstein, um die Recyclingquote bei Getränkeverpackungen auf die angestrebten 90 % zu heben. Für uns als Systemoperator schafft es zudem dringend benötigten Platz in der gelben Tonne und im gelben Sack. So können wir uns in der Sammlung und Sortierung nun viel stärker auf andere Verpackungen fokussieren, die nicht dem Pfand unterliegen. Seit 2025 ist die Verpackungssammlung in Österreich flächendeckend vereinheitlicht. Damit gelten für Konsument:innen bundesweit klare und einheitliche Regeln – die richtige Trennung wird damit deutlich einfacher.


Coca-Cola HBC hat bei Sekundärverpackungen teilweise von Plastikfolien auf Kartonlösungen umgestellt. Wie bewerten Sie diesen Schritt aus Sicht eines Verwerters?

Das ist ein sehr positiver Schritt in Richtung Naturfaserverpackungen. Karton, der in der roten Tonne landet, geht unmittelbar zurück in die Papierindustrie, wird aufgelöst und als Faser in neuen Produkten wiederverwendet – ein hervorragender Kreislauf. Aber auch bei den verbleibenden Kunststofffolien arbeiten wir daran, diese über moderne Sortieranlagen in die richtigen Fraktionen zu überführen, um sie dem Recycling zuzuführen. Wichtig ist hierbei immer die Entscheidung der Konsument:innen am „Point of Recycling“: Nur was richtig entsorgt wird, kann im Kreislauf bleiben.


Apropos Konsument:innen: Wie versuchen Sie gemeinsam mit Coca-Cola HBC, das Bewusstsein für richtiges Recycling zu schärfen?

Wir setzen auf Information und Incentivierung. Ein Beispiel aus der Vergangenheit war die „RecycleMich-App“, mit der wir Konsument:innen direkt am Point of Sale oder Point of Recycle informiert haben. Ein wichtiger Punkt, den viele nicht wissen: Die Konsument:innen bezahlen das Recycling bereits beim Kauf des Produkts über den Preis mit. Wenn dieses Bewusstsein – dass die Entsorgung schon sichergestellt ist – flächendeckend ankommt, sinkt hoffentlich die Hemmschwelle, die Verpackung auch korrekt in die gelbe oder rote Tonne zu werfen, statt in den Restmüll.


Was motiviert Sie persönlich, diese Themen voranzutreiben?

Mich motiviert der Glaube, dass wir kurz vor einem wirtschaftlichen Umbruch stehen. Nachhaltigkeit und Ökologie werden dann dauerhaft funktionieren, wenn sie auch wirtschaftlich erfolgreich sind. Mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung, die den Einsatz von recyceltem Material ab 2030 verpflichtend vorschreibt, steigt der Druck auf die Industrie, in echte Closed-Loop-Lösungen zu investieren. Unternehmen wie Coca-Cola HBC, die hier vorangehen, sind essenziell, um diesen „Kipp-Punkt“ zu erreichen, an dem Kreislaufwirtschaft zum Standard wird.